Shahzad Ismaily © Ebru Yildiz für Monheim Triennale
Photo: Shahzad Ismaily © Ebru Yildiz für Monheim Triennale

Shahzad Ismaily (US)

Zu sagen, Shahzad Ismaily sei ein ganz besonderer Mensch, ist zu kurz gegriffen. Es ist selten, einen Musiker zu finden, der nicht nur so offen und kommunikativ mit jedem ist, den er auf seinem Lebensweg trifft, sondern auch eine Biographie bietet, die mehrere Lebensgeschichten in sich trägt.
Shahzad studierte ursprünglich Biochemie, inspiriert von seiner Mutter (Ärztin) und seinem Vater (Ingenieur): „Da Naturwissenschaften sehr bequem für mich waren – ich konnte wirklich im Schlaf die Prüfungen ablegen und hätte problemlos in dem Berufsfeld Arbeit gefunden – musste ich diesen Weg unbedingt aufgeben.

Spätestens als Shahzad ein Instrument in seine Hände bekam, war der Biochemieunterricht für ihn nichts weiter als ein Übungsplatz: „Ich war im Physikunterricht und hatte den Bass an. Zunächst waren die Lehrerinnen und Lehrer deswegen sehr mürrisch. Ich sagte: „Schaut mal, wenn ich meine Finger so unter dem Tisch habe, würde euch das nicht stören. Also wenn ich das hier mache (den Bass spielen?), ist es nicht so anders.“ Vor allem, wenn ich die Fragen noch beantworten konnte. Also fragten sie mich manchmal aus heiterem Himmel, was diese oder jene chemische Komponente ist – und ich antwortete einfach und spielte weiter.“

Bis heute pflegt Shahzad diesen Multitasking-Gedanken beim Üben. „Ich fahre immer noch Auto und spiele die ganze Zeit Gitarre“, verriet er zur Erheiterung des Monheimer Publikums. „ Denn wenn man im Stau steht und eine lange Fahrt vor sich hat, vergeht die Zeit damit sehr schnell. Du fährst und das Lenkrad ist genau hier an den Zehen und du hast das Instrument hier vor dir [er zeigt es dem Monheimer Publikum]. Und wenn das Instrument elektrisch ist, ist es mit dem Autoradio verbunden, und du hast auch ein Metronom und einen Mixer. Man übt also den ganzen Tag. Es gab ein paar Male. da bin ich so mit einem Freund gefahren, der hinten Geige spielte. Auf dem Weg zu Konzerten haben wir dann zwei Stunden lang geprobt.“

Irgendwann während des Gesprächs gab Shahzad dem Publikum sehr offene Einblicke in seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern: „Sagen wir, ich arbeite mit jemandem wie Lou Reed. Er war sehr wählerisch mit dem, was er wollte. Da komme ich nicht so leicht ran. Aber ich bin trotzdem irgendwie in der Lage, den Raum und die Energie zu lesen und den Teil zu finden, der das Gefühl verstärkt. Bin ich das? Ist es das, was sie wollten? Was ist es? Es ist komplex, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich immer ich selbst bin, in all diesen Situationen – und mich dabei sehr entspannt und lebendig fühle.“

Es ist ziemlich schwer, aufzuhören, dem Redefluss von Shahzad Ismaily zu lauschen. Er hat nicht nur so viele tolle Geschichten, er erzählt sie auch mit einer einnehmenden Stimme, zumal er dabei immer so bescheiden daherkommt – vielleicht sogar in einem Maße, das einen den Kopf schütteln lässt. „Ich bin ein sehr untätiger Mensch, Dinge laufen eher träge auf mich zu“, beendet Shahzad das Gespräch.

Alle Zitate stammen aus dem Artist Talk mit Thomas Venker im Rahmen der Prequel-Ausgabe 2021.

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