Frank Schulte beim Testen seiner Installation
Frank Schulte beim Testen seiner Installation, Photo: Monheim Triennale

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continuum. Aus dem Inneren des Stroms

Wie klingt das Innere des Rheins? Mit seiner Klanginstallation „continuum“ wird der Medienkünstler Frank Schulte die Fließbewegungen des Rheins, die Geräusche der Flussbewohner und die von den vorbeifahrendenr Schiffe erzeugten Klänge entlang der Monheimer Uferpromenade unter Wasser akustisch aufspüren in der evangelischen Altstadtkirche in Monheim am Rhein als mehrkanalige audiovisuelle Inszenierung erlebbar machen.

Alles Leben kommt aus dem Wasser. Gleichzeitig stellte das Wasser schon immer eine reale Bedrohung für die am Fluss lebenden Menschen dar. Beide Aspekte wurden bei der Erbauung der Monheimer Altstadtkirche (1848-58) thematisiert. Am Portal dort nimmt der Handlauf die Wellenbewegungen des Wassers auf, über der Tür zum Sakralraum zeigt ein buntes Glasbild eine Szene aus der biblischen Geschichte von Noah (1. Mose 7ff). Die Sintflut bedeckt das Land, die Taube mit Ölzweig im Schnabel steigt vor einem Regenbogen auf, als Zeichen des neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen.

Klang verbreitet sich Unterwasser relativ schnell und trägt Informationen über größere räumliche Entfernungen als etwa Licht. Daher verfügen im Wasser lebende Tiere über ein großes Spektrum an Rezeptoren um Töne wahrzunehmen. Dieses sensible Wahrnehmungsfeld wird durch die vom Menschen zunehmend hinzugefügten Emissionen der Schifffahrt empfindlich gestört. Auch das wird im Rahmen der Klanginstallation deutlich. Ebenso thematisiert der Künstler in einer Lichtspiegelung von Rheinwasser die Zunahme von Mikroplastiken aus industriellen Abwässern, die erst kürzlich noch in großer Anzahl an den Rheinufern nahe Monheim gefunden wurden.

Für continuum hat Frank Schulte auf einer Länge von ca. 200 Metern spezielle Mikrophone im Inneren des Flusses platziert. Von hier aus werden die Signale in die Kirche übertragen und in einer mehrkanaligen Klang-Installation wiedergegeben. Parallel dazu wird die reale Flussansicht unter und über Wasser als Videoprojektion gezeigt. So entsteht innerhalb der Kirche ein virtueller Raum mit für uns unhörbaren, subkutanen Klängen unter der Wasseroberfläche. Eine Meditation über das ewig Fließende mit seinem Kommen und Vergehen.

Geplant war eine Eröffnung für Pfingstsamstag den 22. Mai, welche jedoch aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens verschoben werden muss. Intendant Reiner Michalke berichtet: „Wir stehen in den Startlöchern und werden öffnen, sobald wir dürfen. Da es eine analoge Veranstaltung ist, bei der man nur vor Ort durch eine audio-visuelle Installation in den Rhein eintauchen kann, macht ein Streaming Angebot hier keinen Sinn. Sobald es möglich ist, die Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werden wir es über unsere Kanäle bekannt geben.“
Die Ausstellung soll nach der Eröffnung immer zweimal die Woche für einen Besuch von maximal 30 Minuten geöffnet sein, sowie während „The Prequel“ vom 1. bis 4. Juli an allen Tagen von 16:00 bis 20:00 Uhr.

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